Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser


Die Linse ist ein wichtiger Bestandteil des Auges – sie bricht das einfallende Licht und projiziert es auf die Netzhaut. Eine Trübung der Augenlinse führt zu einer schlechteren Sehleistung und Betroffene nehmen einen grauen Schleier vor dem Auge wahr. Diese Erkrankung des Auges wird als Katarakt oder Grauer Star bezeichnet.

Ein operativer Eingriff, die sogenannte Kataraktoperation, kann die Sehleistung fast vollständig wiederherstellen. Der nachfolgende Artikel befasst sich mit einer speziellen Operationsmethode, bei der ein Femtosekundenlaser eingesetzt wird.

Femtosekundenlaser
Femtosekundenlaser

Hintergrundwissen

Grauer Star und seine Behandlung

Eine Trübung der Linse tritt häufig bei zunehmendem Alter auf und verschlechtert sich im Laufe der Zeit weiter. Dennoch können auch Kinder und Jugendliche betroffen sein. Etwa 40% der Weltbevölkerung leidet unter Symptomen wie kontrastarmem Sehen und zunehmender Unschärfe. Unbehandelt kann die Erkrankung bis zur vollständigen Erblindung führen.

Im Rahmen der Kataraktoperation wird die getrübte, körpereigene Augenlinse entnommen und durch eine künstliche Linse ersetzt. Dadurch bricht sich das Licht wieder korrekt in der Linse und der graue Schleier verschwindet.

Slit lamp view of Cataract in Human Eye
Katarakt im Licht einer Spaltlampe

Die Katarakt-Operation ist mit 19 Millionen Eingriffen weltweit der am häufigsten durchgeführte chirurgische Eingriff. Da das durchschnittliche Alter der Bevölkerung in Industrienationen stetig ansteigt, wird sich auch die Zahl der Eingriffe weiter erhöhen. Durch den hohen Bedarf an geeigneten Verfahren bedeutet das auch, dass sich die Methoden weiter verbessern werden.

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Hintergrund zum Femtosekundenlaser

Laserstrahlen sind stark gebündelte Energiestrahlen. In der Augenchirurgie werden sie kontrolliert eingesetzt, um punktgenau Gewebe durch Erhitzung zu verändern. Femtosekundenlaser bündeln ihre gesamte Energie in sehr kleine Zeiteinheiten, so dass ein Impuls wesentlich höhere Spitzenleistungen zeigt als über einen längeren Zeitraum ausgesendete Laserstrahlen. Eine Femtosekunde ist ein sehr kleiner Bruchteil von Sekunden, nämlich genauer: 0,000.000.000.000.001 s. Diese Laserstrahlen sind für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar.

Die stark gebündelten Impulse eines Femtosekundenlasers trennen bei der Kataraktoperation durch die Umwandlung von Laserenergie in mechanische Energie das Gewebe auf atomarer Ebene. Dadurch sind höchst präzise Schnitte möglich, während das umliegende Gewebe nicht beeinträchtigt wird. Der Chirurg steuert den Laserstrahl mittels optischer Kohärenztomographie (OCT), einem dreidimensionalen Bildgebungsverfahren, das die Strukturen auf den Mikrometer genau wiedergibt.

Die Kosten der Kataraktoperation

Dient die Operation dem Zweck, das Augenlicht eines Patienten mit Grauem Star wiederherzustellen, übernimmt die Krankenkasse die Kosten des Eingriffs.

Ist das Ziel der Operation der Verzicht auf eine Sehhilfe, wird der Linsenaustausch, insbesondere mit Femtosekundenlaser, zum Privatvergnügen und der Patient muss den Eingriff aus eigener Tasche bezahlen.

Vorbereitung einer Kataraktoperation

Im Vorfeld einer Kataraktoperation sind einige Voruntersuchungen nötig. Das Auge muss genau vermessen werden, damit es bei der Operation nicht zu Überraschungen kommt. Die präzise Vermessung ist auch nötig für die Berechnung der Eigenschaften der Ersatzlinse.

Da eine Kunstlinse im Gegensatz zur körpereigenen Linse nicht elastisch ist und dementsprechend nicht auf verschiedene Entfernungen scharfstellen kann, geht diese natürliche Brechkraft des Auges durch den Linsenersatz verloren. Daher sind verschiedene Arten von Kunstlinsen erhältlich:

  • Monofokale Linse: Ein festgelegter Brennpunkt fokussiert auf die Ferne, so dass Objekte in der Ferne scharf erkennbar sind, während für den Sehbereich in der Nähe nach der Operation eine Sehhilfe notwendig ist
  • Multifokale Linsen verfügen über zwei oder mehr Brennpunkte, so dass keine Sehhilfe mehr benötigt wird, doch diese Linsen sind empfindlicher und müssen extrem genau hergestellt werden, was sie zur teureren Option macht.

In der Regel kommen Betroffene mit einer monofokalen Linse besser klar – wer sich also nicht allzu sehr an einer Brille oder Kontaktlinse stört, sollte sich bei der Kataraktoperation für diese Kunstlinsenart entscheiden.

Für die Untersuchung muss die Pupille des betroffenen Auges – oder beider Augen – geweitet sein. Dafür gibt der Arzt pupillenerweiternde Augentropfen in das Auge. Nach der Untersuchung sollten sich Autofahrer daher für eine Zeit lang nicht ans Steuer setzen, da die Sehkraft durch die Tropfen beeinträchtigt wird.

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Unterschiede der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser

Vor der Kataraktoperation wird das zu behandelnde Auge mit Tropfen betäubt. Auf Wunsch kann die Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser am Auge auch in Vollnarkose stattfinden. Das Risiko der Narkose ist jedoch höher als der Aufwand der Behandlung rechtfertigt.

Das konventionelle Verfahren einer Kataraktoperation sieht vor, dass der Chirurg manuell einen kleinen Schnitt durch die Hornhaut setzt. Die körpereigene Linse trennt er dann ebenfalls manuell aus der Linsenkapsel, ihrer Halterung, und verflüssigt sie nun mittels Ultraschall. Anschließend kann die Linse abgesaugt- und eine Kunstlinse in das Auge implantiert werden.

Dazu wird die Kunstlinse zusammengefaltet in das Auge geführt und mit Hilfe eines speziellen Instruments an den Bestimmungsort innerhalb der Linsenkapsel verbracht. Dort wird die Linse vorsichtig entfaltet und mit den angebrachten Linsenbügeln hinter der Regenbogenhaut im Sack der Kapsel befestigt.

Katarakt Operation
Schematische Darstellung der Katarakt-Operation

Abweichendes Vorgehen bei Einsatz eines Femtosekundenlasers

Bei der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser erfolgt die Operation in zwei Schritten.

Im ersten Schritt kommt der Femtosekundenlaser zum Einsatz. Am Gerät befindet sich eine kegelförmige Linse, welche sich zuvor durch gezielte Steuerung des Operateurs vor der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser am Auge des Patienten festsaugt. Die Berührung ist sanft und verursacht keine Schäden am Auge.

Der Femtosekundenlaser übernimmt nun computergesteuert einerseits die Schnitte am Auge, die äußerst präzise erfolgen. Wichtig hierbei ist, dass die Linsenkapsel kreisrund geöffnet wird, um ihre Stabilität zu erhalten. Der computergeführte Femtosekundenlaser setzt einen exakt runden Schnitt – eine Präzision, die manuell nicht möglich ist.

Anschließend zerteilt der Femtosekundenlaser die körpereigene Augenlinse und verflüssigt sie durch die Bestrahlung mit hohen Energieimpulsen.

Um den Inhalt der Linsenkapsel austauschen zu können, sind am Rand der Hornhaut zusätzlich kleine Schnitte nötig. Diese führt ebenfalls der Femtosekundenlaser durch.

Der zweite Schritt bei der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser erfolgt wie beim konventionellen Verfahren manuell: Die Linse wird abgesaugt und die Kunstlinse eingesetzt.

Vorteile des Verfahrens mit Femtosekundenlaser

Das Verfahren mit Femtosekundenlaser ist deutlich präziser und schonender und zeigt damit bessere Resultate sowohl bei der Wundheilung als auch bei der erzielten Sehverbesserung. Exakt runde Schnittöffnungen an der Linsenkapsel ermöglicht die genauere Positionierung der Kunstlinse, was eine stabilere Sehleistung zur Folge hat. Beim Einsatz des Femtosekundenlasers entsteht im Vergleich zum Verfahren mit Ultraschall weniger Wärme, so dass das umliegende Gewebe nicht geschädigt wird.

Nicht zuletzt besteht bei dieser Form der Laseroperation am Auge die Möglichkeit, eine eventuelle Verkrümmung der Hornhaut im gleichen Schritt zu korrigieren, was ein weiterer Pluspunkt für den Femtosekundenlaser ist.

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Risiken der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser

Der Linsenaustausch ist heute sehr sicher und risikoarm. Beim Ansaugen des Lasergerätes an das Auge während der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser erhöht sich der Augeninnendruck nur minimal.

Laseroperationen am Auge werden ausschließlich bei Erwachsenen durchgeführt, da sich deren Augen nicht mehr im Wachstum befinden.

Operationen unter Einsatz eines Femtosekundenlasers

Die Technik für Laseroperationen am Auge ist auf dem Vormarsch, doch die Kataraktoperation wird nicht an allen Augenkliniken mit einem Femtosekundenlaser durchgeführt.

Das hängt zum einen mit den hohen Anschaffungskosten des Gerätes sowie Bedenken hinsichtlich der neuen Technik zusammen. In Deutschland ist die Methode der Kataraktoperation mit einem Femtosekundenlaser noch jung. Sie wurde vorwiegend in den USA mit großem Erfolg praktiziert.

Bisher wurden Laser zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten genutzt. Der Femtosekundenlaser kann zusätzlich zur exakten Berechnung künstlicher Linsen verwendet werden. Diese Technik ist wesentlich genauer als die bisher genutzten Methoden zur Ermittlung der optimalen Brechkraft.

Nachbehandlung

Die Schnitte am Auge verheilen nach der Laser Operation am Auge meist von selbst. Sie können jedoch auch mit einer gewöhnlichen feinen Naht verschlossen werden. Weiterhin muss der Patient für einen kurzen Zeitraum einen Mullverband tragen. Schweres Heben sollte vermieden werden, um eine Heilung des Auges nicht zu gefährden.

In der Regel sind beide Augen vom grauen Star betroffen. Aus diesem Grund wird im Abstand weniger Tage auch das andere Auge mit dem Femtosekundenlaser behandelt.

Nach der Kataraktoperation muss beim Patienten oft bis zu mehreren Wochen eine Behandlung mit Augentropfen erfolgen. Dadurch wird eine Entzündung des Auges vermieden.

Der Patient erhält nach dem Einsatz einer monofokalen Kunstlinse eine Brille oder Kontaktlinsen, die ihm das scharfe Sehen auch bei nahen Objekten ermöglicht. Für scharfes Sehen in der Ferne wird künftig keine Sehhilfe mehr erforderlich sein.

Augentropfen

Fazit

Der Einsatz des Femtosekundenlasers in der Augenheilkunde ist eine entscheidende Entwicklung. Die Vorteile dieser Form der Kataraktoperation ist gegenüber der Methode mit Ultraschall eine echte Revolution. Der Femtosekundenlaser wird zwar noch nicht lange eingesetzt, wird sich jedoch mehr und mehr bewähren.

Bei der Kataraktoperation mit Femtosekundenlaser kommt noch hinzu, dass eine Hornhautverkrümmung während der Behandlung ebenfalls behoben werden kann.