Intrakapsuläre Kataraktextraktion


Die intrakapsuläre Kataraktextraktion (abgekürzt engl. ICCE) ist ein chirurgischer Eingriff zur Behandlung der Katarakt (Grauer Star). Sie kommt inzwischen nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz – das Standardverfahren ist heute die Phakoemulsifikation. Beide Verfahren sehen das Entfernen der erkrankten Augenlinse aus dem Auge (Extraktion) und die Implantierung einer künstlichen Linse vor. Bei der Phakoemulsifikation treten dabei erheblich weniger Komplikationen auf.

Hintergrund zum Grauen Star

Als Grauen Star bezeichnet man eine fortschreitende Trübung der Augenlinse. Die Augenlinse befindet sich, gehalten durch die sogenannte Linsenkapsel, direkt hinter der Pupille. Beim gesunden Auge trifft das einfallende Licht auf die Augenlinse. Diese bricht das Licht und projiziert es auf die Netzhaut, deren unzähligen Sinneszellen es in Nervenimpulse umwandeln und an das Gehirn senden. Bei einer getrübten Linse nimmt der Betroffene die Welt wie durch einen grauen Schleier wahr.

Auge im Sagittalschnitt
Auge im Sagittalschnitt – Direkt hinter der Pupille befindet sich die Augenlinse

Die Erkrankung tritt vor allem ab dem 65 Lebensjahr auf – fast jeder Mensch ist davon betroffen, doch nur 50% bemerken die Symptome. Unbehandelt schreitet die Erkrankung langsam fort und führt schließlich dazu, dass kein Licht mehr bis zur Netzhaut durchdringen kann – das Auge ist blind.

Doch ein Grauer Star ist gut heilbar. Die Nervenzellen sind intakt – sie erhalten lediglich keine Informationen mehr. Durch einen Linsenaustausch wird die getrübte Augenlinse entfernt und die Sicht ist wieder frei. Der Einsatz einer Kunstlinse ermöglicht die korrekte Lichtbrechung und somit wieder scharfes Sehen.

Eine medikamentöse Behandlung der Erkrankung ist nicht möglich – es bleibt nur der chirurgische Weg.

Arztsuche

Verfahren zur Therapie des Grauen Stars

Kataraktextraktionen, das heißt, die Entfernung einer getrübten Linse, werden bereits seit dem 18. Jahrhundert durchgeführt. Erstmalig versuchte sich beispielsweise der Mediziner J.J. Daviel im Jahr 1745 daran, das Auge von der Katarakt zu befreien. Zuvor war der sogenannte Starstich die damals vorherrschende Operationsmethode, bei der man die Katarakt sozusagen aus der Linse herausstach.

Das Verfahren, das Daviel nun einführte, versprach im Vergleich zum Starstich bessere Operationserfolge und wurde von da an bevorzugt praktiziert. Die heute bekannten und durchgeführten Methoden der Kataraktextraktion basieren nach wie vor stark auf diesem ursprünglichen Verfahren.

Zwei verschiedene Verfahren zum Linsentausch

  • Intrakapsulär: Die Augenlinse wird zusammen mit der Linsenkapsel entnommen (sie befindet sich bei der Entnahme also innerhalb der Kapsel)
  • Extrakapsulär: Vor der Entnahme wird die Augenlinse aus der Linsenkapsel herausgetrennt und die Kapsel verbleibt im Auge

Verbleibt die Linsenkapsel im Auge, kann die anschließend eingesetzte Kunstlinse sicher in der Kapsel verankert werden, so dass sie an Ort und Stelle verbleibt und nicht verrutschen kann. Ohne die Linsenkapsel ist die Implantierung der Kunstlinse schwieriger, aber nicht unmöglich. Das Fehlen der Kapsel kann auch die Stabilität des Glaskörpers beeinträchtigen, so dass das Risiko einer Netzhautablösung um etwa 6-8% steigt. Nicht zuletzt ist auch ein größerer Schnitt notwendig, um die Linse samt Kapsel aus dem Auge zu entfernen. Das führt zu einem erhöhten Infektionsrisiko.

Eye scheme
Der Aufbau des menschlichen Auges

Die extrakapsuläre Kataraktextraktion ist also die vorteilhaftere Methode und löste die intrakapsuläre Kataraktextraktion seit den 1960er Jahren ab.

In seltenen Fällen kommt die intrakapsuläre Kataraktextraktion noch immer zum Einsatz. Beim Marphan-Syndrom, einer Bindegewebserkrankung, können sich die Zonulafasern des Aufhängeapparates so sehr lockern und dehnen, dass die Linse verrutscht. In diesem Fall greift man auf die intrakapsuläre Methode zurück. Wegen des geringeren Operationsaufwandes und der niedrigen Kosten wird sie auch als Standardverfahren zur Behandlung des Grauen Stars in Ländern der dritten Welt angewandt.

Vorbereitung und Voruntersuchungen

Verschiedene Voruntersuchungen ermöglichen dem Arzt, eine exakte Diagnose zu stellen und eine Therapie zu empfehlen. Bei Grauem Star steht früher oder später eine Kataraktoperation an.

Zu den Voruntersuchungen gehört etwa die Vermessung des Auges mit Ultraschall oder einer Lasermessung. Der Arzt prüft auch die anatomischen Voraussetzungen – ist die körpereigene Linse bereits verschoben, zieht er gegebenenfalls eine intrakapsulär durchgeführte Kataraktextraktion in Betracht.

Willigt der Patient in diese Behandlung ein, erklärt ihm der Arzt, was im Vorfeld des Eingriffs zu beachten ist und wie der Eingriff selbst durchgeführt wird.

Arztsuche

Die Durchführung des Eingriffs

Für die Dauer des Eingriffs reicht in der Regel eine örtliche Betäubung des Auges aus. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig und wird nur bei Kindern oder sehr ängstlichen Erwachsenen. Die Operation erfolgt zudem ambulant, d.h., der Patient kann die Klinik gleich darauf wieder verlassen.

Bei der intrakapsulären Kataraktextraktion wird die Linse samt Linsenkapsel entfernt. Dazu ist ein größerer Schnitt am Auge nötig als für die Entfernung der durch Ultraschall verflüssigten Linse bei der modernen Phakoemulsifikation. Während dort ein etwa 3 mm großer Schnitt ausreicht, muss der Chirurg bei der intrakapsulären Kataraktextraktion einen etwa 8-10 mm langen Schnitt an der Hornhaut/Lederhaut setzen.

Mithilfe eines Kältestifts friert der Chirurg die Augenlinse ein und entfernt sie am Stück zusammen mit der Linsenkapsel aus dem Auge. Da nun die natürliche Aufhängung für die Linse fehlt, gibt es folgende Optionen zum Einsatz der künstlichen Linse:

  • entweder als Vorderkammerlinse in die vordere Augenkammer – also zwischen Hornhaut und Pupille, statt wie zuvor hinter die Pupille
  • oder wie zuvor hinter die Pupille, hier muss sie jedoch an der Regenbogenhaut oder der Lederhaut festgenäht werden

Der Eingriff dauert pro Auge meistens nur wenige Minuten – die Betäubung hält rund 10 Minuten an, wird aber bei Bedarf immer wieder erneuert. Während der Betäubugn darf der Patient das Auge keinesfalls sein Auge berühren, da er durch das mangelnde Gefühl schwere Verletzungen hervorrufen könnte.

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Nachbehandlung, Komplikationen und Risiken

Der Patient kann die Klinik unmittelbar nach dem Eingriff verlassen. Allerdings ist seine Sehfähigkeit nach der Operation noch beeinträchtig und er sollte auf jeden Fall eine Begleitung dabei haben, die notfalls auf dem Heimweg eingreifen könnte. Meiden sollte er auch zu grelles Sonnenlicht und anstrengendes Sehen auf Displays, wie etwa am Fernseher, Handy oder Computer.

Mögliche Komplikationen nach der intrakapsulären Kataraktextraktion:

  • Reizungen und leichte Schmerzen durch den langen Einschnitt am Auge. Bei gezielter Behandlung durch Augentropfen und Salben verschwinden sie jedch schnell
  • Schwellungen an der Netzhaut, die sich durch Sehschwäche oder durch ein erneutes Trüben der Linse (sogenannter Nachstar) äußern können. Die Kunstlinse kann durch eine Lasernachbehandlung wieder gesäubert werden.
  • Entzündungen am Auge, die im ungünstigsten Fall auf die vordere Augenkammer, den Glaskörper oder die Netzhaut übergreifen kann
  • Leicht erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung, da der Glaskörper nicht mehr durch die Linsenkapsel stabilisiert wird

Der Patient sollte die Pflichttermine zu den Nachuntersuchungen sehr ernst nehmen und seinen Augenarzt über jegliche Schmerzen, Beschwerden und Beeinträchtigungen der Sehleistung umgehend in Kenntnis setzen – auch noch Wochen nach dem eigentlichen Eingriff.