Netzhautrotation


Die Netzhautrotation am Auge ist eine relativ neuartige Behandlungsmethode, die zurzeit fast überwiegend zur Behandlung einer altersabhängigen Makuladegeneration (kurz AMD) zum Einsatz kommt. Dabei wird die erkrankte Netzhaut abgelöst, gedreht und wieder angebracht. Auf diese Weise wird der Punkt des schärfsten Sehens, die Makula an der Netzhaut, an eine Stelle verlagert, die weniger von der Degeneration betroffen ist.

Human eye cross-sectional view grayscale
Schema des Auges mit Iris, Hornhaut (Cornea), Augenlinse (Lens), Netzhaut (Retina) und deren Blutgefäßen, Makula

Dadurch lässt sich in vielen Stadien der AMD wieder ein nahezu optimales Sehen herstellen – wenn auch nicht in allen Krankheitsfällen und auch oftmals nicht von Dauer. Neben der chirurgischen Anpassung des Augenmuskels sind oft noch eine ganze Reihe weiterer Eingriffe nötig, damit die Netzhautrotation als Operation Erfolge zeigen kann.

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Hintergrund und Entwicklung der Netzhautrotation

Derzeit gibt es nach wie vor kein Behandlungsverfahren, welches eine AMD vollständig beseitigen oder heilen kann. Alle Therapieverfahren können den Krankheitsverlauf im besten Fall stoppen oder verlangsamen. Dabei nimmt die Netzhautrotation inzwischen einen hohen Stellenwert ein.

Neben einer AMD kann die Netzhautrotation auch bei

  • andersartigen Wucherungen auf der Netzhaut oder
  • Zerstörungen des Sehzentrums (Makula) durch äußere Einwirkungen (etwa durch Unfälle oder durch Gewalteinwirkung)

zum Einsatz kommen.

Im Rahmen der Netzhautrotation wird in die betroffene Netzhaut eingeschnitten, abgelöst und um etwa 30 Grad gedreht (rotiert). Folge der Netzhautrotation ist die Verschiebung der Makula auf eine andere Stelle der Pigmentzellschicht. Ziel ist, dass die Makula nach der Netzhautrotation wieder an eine intakte Pigmentzelle gebunden ist. Gelingt dies, kann der Patient nach einer kurzen Heilungs- und Schonungsphase wieder klarer sehen.

Ein optimales Resultat lässt sich nicht sicher garantieren – es hängt zum einen vom Zustand der Netzhaut ab, zum anderen aber auch vom Operationsverlauf. Der eigentlichen Netzhautrotation folgt eine Operation an den Augenmuskeln. Nur wenn beide Operationsschritte erfolgreich sind, können die besten Operationserfolge erwartet werden.

Die ersten 20 dokumentierten Netzhautrotationen wurden 1997-1998 durchgeführt. Um das ideale Verfahren zu erproben, testeten die Chirurgen dabei verschiedene Techniken, wie etwa unterschiedlich weite Drehungen der Netzhaut zwischen 20 und 45°. Nach der Heilungsphase hatte sich die Sehfähigkeit bei mehr als der Hälfte der Patienten verbessert. Knapp die Hälfte der behandelnden Patienten konnten nach der Netzhautrotation wieder problemlos lesen.

Inzwischen ist das Verfahren ausgereifter und die Erfolgsquoten konnten weiter erhöht werden. Ein optimales Operationsergebnis kann das Sehvermögen für fünf bis zehn Jahre wieder auf durchschnittlich 70 Prozent verbessern. Eine weitere Verbesserung der Sehfähigkeit lässt sich durch eine zusätzliche medikamentöse Behandlung und den Einsatz spezieller Sehhilfen erzielen.

Unter Umständen bezuschusst die gesetzliche Krankenkasse jedoch nicht die gesamte Behandlung.

Notwendige Vorbereitung und Voruntersuchungen

Einem operativen Eingriff gehen immer sogfältige augenmedizinische Untersuchungen voraus. Der Augenarzt identifiziert die Schwere der Makuladegeneration und wenn möglich deren Ursache. Die Netzhautrotation eignet sich nicht für alle Patienten gleichermaßen, und der Arzt muss abwägen, ob der erwartete Operationserfolg im Verhältnis zu möglichen Risiken steht.

Auch der Patient muss bereit sein, bei der Therapie mitzuwirken und Risikofaktoren, die das Fortschreiten der Makuladegeneration begünstigen, weitgehend auszuschalten. Dazu gehören

  • Diabetes: Sollte optimal eingestellt werden
  • Bluthochdruck: Gesunde Lebensweise senkt den Blutdruck
  • Nikotin: Das Rauchen sollte komplett eingestellt werden

Auch die weitere Therapie nach einer erfolgreichen Operation wird schon im Vorfeld soweit möglich geplant. Die Feinabstimmung kann zwar erst nach Auswertung des Operationsresultates erfolgen, doch insgesamt muss dem Patienten bewusst sein, welche Maßnahmen für ihn persönlich und finanziell im Bereich der Möglichkeiten liegen.

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Durchführung des Eingriffs

Die Netzhautrotation ist ein recht aufwändiger Eingriff, der aus zwei Operationsabschnitten besteht.

Netzhautrotation

Zunächst müssen die Augenlinse und der Glaskörper entfernt werden. Erst dann kann der Chirurg die Netzhaut einschneiden und ablösen. Um neue Gefäße entfernen zu können, muss der Sehnerv umgeklappt werden. Danach dreht der Chirurg die Netzhaut zusammen mit der Makula und legt diese über gesundem Gewebe ab. Im Anschluss wird die Netzhaut mit einem Laser wieder nahtlos mit dem Gewebe des Augapfels verbunden.

Der durch die Glaskörperentfernung leere Hohlraum des Auges wird mit Silikonöl oder Gas gefüllt, sodass dieser nicht zusammenfallen kann. Dieser Füllstoff wird zwei bis drei Monate nach dem Eingriff wieder aus dem Auge entfernt.

Augenmuskeloperation

Während eines zweiten Eingriffs muss der Augapfel an die neue Position der Makula angepasst werden. Ohne diesen zweiten Behandlungsschritt könnte der Patient nach dem Eingriff nur noch stark verzerrt sehen. Das ist auch dann der Fall, wenn der Operateur die neue Position der Makula nicht korrekt anpasst.

Komplikationen und Risiken

Die Netzhautrotation ist mit einigen Risiken verbunden.

  • Ungenügende Verlagerung: Die Makula könnte sich aus körperlichen oder operationstechnischen Gründen nicht weit genug aus dem deformierten Gewebebereich verlagern lassen
  • Abwehrreaktionen des Körpers auf das Silikonöl als Glaskörperersatz (relativ selten)
  • Netzhautrisse
  • Verschlechterung der Sehfähigkeit, auch Tage oder Wochen nach dem erfolgreichen Eingriff
  • In manchen Fällen Bildverzerrungen durch eine verlorene Fähigkeit, beide Augen optimal aufeinander abzustimmen
  • Netzhautablösung nach dem Eingriff

Eine Netzhautablösung stellt einen augenärztlichen Notfall dar. Der Patient sollte, wenn er Verschlechterungen oder Veränderungen der Sehfähigkeit bemerkt, umgehend einen Arzt aufsuchen.

Nachbehandlung

Die Heilungsphase dauert etwa drei Monate, auch wenn die Sehfähigkeit sehr viel schneller wiederhergestellt ist. Schädlich für den Heilungsprozess ist:

  • Übermäßiger Alkoholgenuss
  • Ungesundes Essen
  • Nikotin ist besonders schädlich für die feinen Gefäße der Netzhaut
  • Zuviel Zeit am TV oder PC
  • Zu große körperliche Anstrengung
  • Zu helles Sonnenlicht

Der Schutz der Augen vor dem grellen Sonnenlicht muss langfristig gewährleistet sein. Auch das – ggf. später wieder angefangene – Rauchen kann dazu führen, dass der Erfolg der Operation kürzer anhält.

Carotinoid Lutein, das sogenannte Augenvitamin, das in gelbem und rotem Gemüse (etwa Paprika und Mais), jedoch auch in Erbsen und in Brokkoli zu finden ist, kommt den Gefäßen der Netzhaut bei der Heilung zugute.

Außerdem sollten Sie gewissenhaft alle Kontrolltermine beim Augenarzt wahrnehmen.