Vermessung des Auges


Unter der Vermessung des Auges, auch Augenbiometrie oder Biometrie des Auges genannt, versteht man die exakte Vermessung der anatomischen Eigenschaften eines Auges. Die Vermessung kommt beispielsweise vor chirurgischen Eingriffen am Auge zum Einsatz, um den Ablauf genau zu planen.

Im Vorfeld eines operativen Eingriffes am Auge, wie etwa bei der chirurgischen Behandlung einer Linsentrübung, des sogenannten Grauen Stars, Laserkorrekturen der Sehfähigkeit oder dem Einpflanzen einer Kunstlinse ins Auge, muss das Auge ganzheitlich präzise vermessen werden. Nur so kann der Arzt die richtige Behandlungsmethode empfehlen und einen Eingriff genau planen.

Hinterkammerlinse 01 (fcm)
Künstliche Augenlinse

Verfahren zur Biometrie des Auges

Durch die Biometrie des Auges ist es in der refraktiven Chirurgie möglich, sich ein genaues Bild über den Augapfel und dessen anatomische Maße zu verschaffen, wie etwa:

  • die Brechkraft des Auges
  • die Länge des Augapfels von der Hornhaut bis zur Netzhaut (Achsenlänge)
  • der Abstand zwischen Hornhaut und Augenlinse (Vorderkammertiefe)
  • die Hornhautdicke
  • Keratomie des Auges (Hornhautkrümmungsradius)

Dies dient nicht nur dazu, mögliche Therapiemethoden zu ermitteln, häufig lassen sich auch bereits im Voraus Behandlungserfolge prognostizieren. Das Ziel eines operativen Eingriffs ist zumeist entweder das Aufhalten einer fortschreitenden Erkrankung am Auge, die Vorbeugung ernster Schäden an der Sehfähigkeit oder im optimalen Fall auch die Verbesserung der Sehfähigkeit.

Die Untersuchungsergebnisse einer Augen-Biometrie geben dem Augenarzt die benötigten Daten an die Hand, um dem Patienten eine optimale Behandlung zukommen zu lassen. Sie dienen beispielsweise der Herstellung einer exakt abgestimmten künstlichen Augenlinse und lassen abschätzen, welche Erfolge mit bestimmten Therapien erzielt werden können.

Arztsuche

Optische Biometrie

Die optische Biometrie ist die Augenvermessungsmethode, bei der mithilfe eines schwachen, ungefährlichen Lasers die präzisesten Messergebnisse erzielt werden können. Das Verfahren ist berührungsfrei, das heißt, dass keine Messinstrumente mit dem Auge in Kontakt kommen. Somit sind auch keine Schmerzen mit der Vermessung verbunden. Die optische Biometrie ermöglicht die exakte Vermessung der Hornhautdicke, der Hornhautradien und der Achsenlänge (bzw. auch Teillängen, wie die Tiefe der Vorderkammer und die Stärke der Linse).

Insbesondere bei der Korrektur von Sehschwächen infolge einer Linsentrübung, die das Ziel haben, eine bessere Sehleistung zu ermöglichen, kann die vorherige Vermessung des Auges mittels optischer Biometrie und ihren genaueren Ergebnissen bessere Resultate erzielen als die Vermessung per Ultraschall.

Allerdings werden die Kosten dieses Verfahrens in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Betroffene müssten die Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen.

Biometrie des Auges mittels Ultraschall

Eine Ultraschalluntersuchung der Augen ist dagegen Kassenleistung. Diese Methode hat sich jahrelang bewährt und bietet ebenfalls recht genaue Vermessungsresultate, die jedoch nicht an die Genauigkeit einer optischen Biometrie heranreichen können. Da das Ultraschallgerät auf dem Augapfel aufgesetzt wird, muss dieser zuvor mit Hilfe spezieller Augentropfen betäubt werden.

Die Vermessung durch Ultraschall hat gegenüber der optischen Biometrie jedoch auch einen Vorteil: Sie ist auch dann möglich, wenn eine massive Trübung der Hornhaut oder Linse vorliegt, die einen Blick in das Augeninnere verhindern.

Biometrie des Auges per Pentacam

Auch dieses Verfahren wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Pentacam ist eine automatisch rotierende Kamera, die in Sekundenschnelle und berührungsfrei den vorderen Augenabschnitt vermisst. Der vordere Augenabschnitt umfasst die Hornhaut, die Vorderkammer des Auges und die Augenlinse. Dabei erstellt sie ein dreidimensionales Bild des vorderen Augenabschnitts, das sich digital beliebig drehen lässt. So können frühzeitig Veränderungen an der Hornhaut, der Regenhaut oder der Linse festgestellt werden.

Der Unterschied zur optischen Biometrie ist, dass nicht das gesamte Auge vermessen wird, sondern nur der vordere Bereich. Die Augenvermessung via Pentacam eignet sich jedoch sehr gut zur Feststellung von Veränderungen der Hornhaut, zur Feststellung der Dicke der Hornhaut bei der Glaukomdiagnose oder vor LASIK-Behandlungen sowie zur Analyse der Linsendichte und -trübung beim Grauen Star.

Wellenfront-Messung

Die Wellenfront-Messung ist ein junges Verfahren, das Abbildungsfehler des Auges bestimmt und ein Sehprofil erstellt. Mit Hilfe dieses Sehprofils sind extrem genaue Korrekturen der Sehleistung sowohl durch Laserbehandlungen als auch durch das Anfertigen individueller Sehhilfen (Brille oder Kontaktlinsen) möglich.

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Vorbereitungen und Nachsorge der Untersuchung

Bei einer optischen Biometrie muss der Patient nach der Untersuchung keine speziellen Maßnahmen ergreifen. Da die Untersuchung berührungsfrei erfolgte, wird die Sehleistung zu keiner Zeit beeinflusst. Vor der Untersuchung sollte der Patient eine Woche lang keine weichen, und drei Wochen lang keine harten Kontaktlinsen tragen.

Vor einer Ultraschall-Augenbiometrie muss mittels Augentropfen eine lokale Betäubung der Augenoberfläche erfolgen, die im Anschluss eine gewisse Zeit zum Abklingen benötigt. Erst dann kann der Patient gefahrlos seinen Heimweg antreten. Zudem birgt die Anwendung durch den Kontakt mit der Hornhaut immer die Gefahr, deren Oberfläche zu verletzen (Erosio corneae). Diese ist sehr schmerzhaft, heilt aber in der Regel innerhalb einiger Tage meist folgenlos ab.

Auch treten gelegentlich leichte Nebenwirkungen auf: Patienten klagen über ein Fremdkörpergefühl im Auge, gereizte Augen und einen starken Tränenfluss. Je nachdem, wie stark diese Beschwerden sind, könnte es unter Umständen notwendig sein, diese mit Augensalben oder Augentropfen zu behandeln. Seltener kommt es zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit des Auges. Alle Beschwerden klingen jedoch innerhalb von Stunden, spätestens Tagen, wieder ab. Zudem sollte man seine Augen am Tag nach der Vermessung vom Auge schonen. Dazu gehört, nicht übermäßig viel fernzusehen, zu viel Zeit am PC zu verbringen oder zu viel zu lesen. Dre Schutz der Augen vor übermäßiger Sonneneinstrahlung sollte sowieso immer gewährleistet sein. So erholen sich die Augen schnell von den eventuellen Belastungen durch die Vermessung des Auges.

Im Optimalfall sollte der Termin zur Vermessung des Auges in den Feierabend oder auf einen freien Tag gelegt werden. Auch eine Begleitperson, die den Patienten auf dem Heimweg unter Umständen betreuen kann, kann hilfreich sein. Eine weitere Vermessung vom Auge ist übrigens in der Regel nicht notwendig, kann aber von Fall zu Fall notwendig sein.

Medizinischer Berater: Professor Ludwig Heindl