Hornhauttransplantation


Die Hornhaut des Auges dient zum einen als Schutzschild für das Auge, ist aber auch für die Brechung der Lichtstrahlen verantwortlich. Weiterhin muss sie das Licht möglichst ungehindert passieren lassen, damit es durch die Pupille auf die Augenlinse und schließlich auf die Netzhaut treffen kann. Erkrankungen der Hornhaut können dementsprechend die Sehleistung verringern.

Neben verschiedenen weiteren Methoden der modernen Keratoplastik (Hornhautchirurgie) besteht bei schwerwiegenden Erkrankungen der Hornhaut die Möglichkeit, eine Hornhauttransplantation durchzuführen. Dieser Eingriff kann die durch die Hornhaut verursachte Verringerung der Sehstärke verbessern oder in Einzelfällen sogar wiederherstellen.

Hornhauttransplantation
Hornhaut nach einer Hornhauttransplantation

Die Hornhauttransplantation ist allerdings mit Risiken verbunden. Daher bedarf es entsprechender Voruntersuchungen sowie einer gründlichen Nachbehandlung im Anschluss an die Operation. Der Arzt muss den Patienten hinreichend über das Verfahren und dessen Risiken aufgeklären.

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Hintergrundinformationen zur Hornhauttransplantation

Die menschliche Augenhornhaut besteht aus fünf Schichten. Ihre Oberfäche wird durch die vom Körper gebildete Tränenflüssigkeit befeuchtet. Die Hornhaut bildet die äußere Schutzschicht für das Auge. Zugleich trägt sie maßgeblich zur Sehleistung bei, da sich in ihr das auf das Sinnesorgan einfallende Licht bricht.

Kommt es im Laufe des Lebens eines Menschen oder bereits als angeborene Sehschwäche zur Trübung der Hornhaut, nimmt das Auge nicht mehr genug Licht auf und die Sehleistung vermindert sich, im schlimmsten Fall droht die Erblindung.

Eye scheme
Der Aufbau des menschlichen Auges – Die Hornhaut wölbt sich vor der Iris (Regenbogenhaut) nach vorn

Dank der Keratoplastik ist in manchen Fällen eine erfolgversprechende Behandlung möglich. Im Rahmen der Hornhauttransplantation wird die eigene Hornhaut durch eine Spenderhornhaut ersetzt.

Die ersten Versuche der Hornhauttransplantation wurden schon im frühen 19. Jahrhundert durchgeführt. Frühe Methoden der Operation am Auge wurden kontinuierlich so verbessert, dass sich daraus die moderne Keratoplastik entwickeln konnte. Die Hornhauttransplantation beim Auge ist mittlerweile eine oft durchgeführte Operation und zugleich die häufigste Form der Gewebetransplantation beim Menschen.

Hornhauttransplantation durch Organspende

Da es sich bei der Hornhauttransplantation um eine Gewebe- bzw. Organspende eines Menschen handelt, ist die Verpflanzung auch an die geltenden rechtlichen Regularien zur Durchführung von Transplantationen gebunden. So ist durch zwei Ärzte unabhängig voneinander der Hirntod des Spenders innerhalb bestimmter zeitlicher Abfolgen zweifelsfrei festzustellen.

Zur Feststellung des Hirntodes müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sein. Des Weiteren muss der Spender der Gewebeentnahme für die Hornhauttransplantation zu Lebzeiten zugestimmt haben. Diese Einwilligung kann durch entsprechende Äußerungen, schriftlichen Erklärungen oder mittels eines Organspenderausweises erfolgen. Liegt keine entsprechende Zustimmung vor, kann die Einwilligung zur Entnahme des Spendermaterials für eine Hornhauttransplantation auch durch die nächsten Angehörigen des Spenders erteilt werden, wenn diese dem mutmaßlichen Willen des Spenders entspricht.

Eyeball (sugarpond)
Die lichtdurchlässige Hornhaut schützt die Iris des Auges

Indikation für eine Hornhauttransplantation

Wie jeder medizinische Eingriff bedarf auch die Hornhauttransplantation einer Indikation. Eine solche liegt vor, wenn beim Patienten eine entsprechende Erkrankung des Hornhautgewebes diagnostiziert wird. Die Folgen einer solchen Erkrankung zeigen sich in der Regel durch eine Einschränkung in der Sehfähigkeit, welche bis hin zur Erblindung reichen kann. Sie sind entweder erblich bedingt oder können im Laufe des Lebens erworben werden.

Bei sogenannten Dystrophien handelt es sich um genetisch bedingte Hornhauterkrankungen. Des Weiteren sind auch Erkrankungen und Sehverschlechterungen infolge von Entzündungen der Hornhaut durch Pilze, Viren oder Bakterien, aber auch durch Geschwüre oder Vernarbungen der Hornhaut möglich.

Liegt eine solche Erkrankung der Hornhaut vor und ist diese nicht durch andere Optionen im Rahmen der Hornhautchirurgie behandelbar, ist die Indikation für eine entsprechende Hornhauttransplantation gegeben. Darüber wird nach ausführlichen Voruntersuchungen durch einen qualifizierten Augenarzt und im Gespräch mit dem Patienten entschieden. Erklärt sich der Patient zur Hornhauttransplantation bereit, erhält er einen Platz auf der Warteliste für Spenderhornhäute.

Durchführung der Hornhauttransplantation

Koordinierung von Spender und Empfänger

Die Gewinnung des Spendermaterials ist innerhalb von 72 Stunden nach dem Tod des Verstorbenen möglich. Dazu darf keine Kontraindikationen des Spenders vorliegen, was statistisch bei über zwei Dritteln aller Spender für das Gewebe der Hornhauttransplantation der Fall ist. Dies wären beispielsweise HIV oder andere Infektionskrankheiten. Dagegen sind andere Sehschwächen und damit verbundene Erkrankungen wie Grauer Star oder Grüner Star sowie das Alter des Spenders keine Kontraindikationen für die Hornhauttransplantation.

Bei der Entnahme wird aus dem Spenderauge eine Korneoskleralscheibe (Scheibe von Hornhaut und Lederhaut) ausgeschnitten und entfernt. Das Spendermaterial kann nach der Gewinnung durch Aufbewahrung in einer Zellkultur bis zu vier Wochen lang in der Hornhautbank gelagert werden. Vermittlungsstellen ordnen ordnen dem Material einen passenden Empfänger auf der Warteliste zu. Nach der Benachrichtigung des potenziellen Empfängers und seines behandelnden Arztes wird der Patient zur Hornhauttransplantation in eine entsprechende Klinik eingewiesen.

Behandlung des Patienten

Nach der Entnahme des kranken Hornhautmaterials wird dem Empfänger das Spendermaterial eingesetzt und mit der restlichen Hornhaut des Patienten vernäht. Die Hornhauttransplantation erfolgt unter einem Operationsmikroskop, um die feinen Strukturen präzise einpassen und vernähen zu können.

Eine besondere Form der Keratoplastik am Auge stellt die lamelläre Keratoplastik dar. Dabei werden nur die erkrankten Schichten des Hornhautgewebes ersetzt, während das gesunde Gewebe erhalten bleibt. Diese Methode der Hornhauttransplantation verspricht durch einen verbesserten Heilungsablauf statistisch gesehen bessere Erfolgsaussichten.

Die Hornhauttransplantation erfolgt durch eine etwa einstündige Operation unter Vollnarkose. Der Operation schließt sich ein stationärer Aufenthalt des Patienten für etwa eine Woche in der gleichen Klinik an.

Nachbehandlung

Zur Nachbehandlung der Hornhauttransplantation ist die Anwendung spezieller Augentropfen notwendig. Kortisonhaltige Augentropfen müssen bei manchen Behandlungsschemata nach der Hornhauttransplantation lebenslang getropft werden. Die Augentropfen sollen, wie das in sehr seltenen Fällen zusätzlich verabreichte Immunsuppressivum in Tablettenform, die Abstoßungsreaktion des Immunsystems des Patienten auf das Spendermaterial unterbinden.

Insgesamt zeigt sich das Gewebe bei der Keratoplastik am Auge für den Empfänger als gut verträglich, sodass die Behandlung mit Augentropfen nach der Hornhauttransplantation in den meisten Fällen ausreicht.

Weitere Nachbehandlungsmaßnahmen sind die Verwendung spezieller Kontaktlinsen sowie die notwendige postoperative Entfernung der Operationsfäden etwa ein Jahr nach Durchführung der Operation.

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Chancen und Risiken der Hornhauttransplantation

Die Transplantion einer Spenderhornhaut zeigt eine hohe Erfolgsquote. Nach der Operation sind für den Patienten Details nur schwer erkennbar, und es kann Wochen oder Monate dauern, bis sich das Sehvermögen verbessert. Die Keratoplastik ist aber in der Lage, drohende Erblindungen zu verhindern oder in einigen Fällen blinden Patienten zu neuem Sehvermögen verhelfen.

Trotzdem ist die Hornhauttransplantation auch mit Risiken verbunden. So kann das körpereigene Immunsystem das Spendermaterial als Fremdkörper erkennen und es abstoßen. Diese Reaktion wird als Abstoßungsreaktion bezeichnet und kann durch die Einnahme von Medikamenten unterdrückt werden. Eine derartige Abstoßungs- oder Immunreaktion des Körpers kann sich durch anhaltendes Tränen oder Rötungen des Auges und einer zunehmenden oder bleibenden Verschlechterung der Sehleistung aüßern. Durch die körpereigene Reaktion ist zudem eine Schädigung des Spendermaterials möglich, sodass dann eine erneute Transplantation notwendig wird.

Weiterhin bestehen bei der Keratoplastik die üblichen Risiken, die bei der Durchführung eines medizinischen Eingriffs auftreten können. So können Komplikationen bei der Operation am Auge auch im schlimmsten, sehr seltenen Falle eine Erblindung oder sogar den Verlust des ganzen Auges zur Folge haben.

Fazit

Für Patienten mit einer Sehschwäche ist die Hornhauttransplantation eine Option zur Verbesserung der Sehschärfe. Gegebenenfalls kann die Hornhauttransplantation eine drohende Erblindung verhindern oder die Fähigkeit zum Sehen wiederherstellen.

Die Verfügbarkeit geeigneten Spendermaterials für die Hornhauttransplantation ist im Gegensatz zu anderen Organ- und Gewebespenden hoch. Des Weiteren zeichnet sich die Hornhauttransplantation am Auge gegenüber anderen Transplantationen dadurch aus, dass die Gefahr der körpereigenen Immunabwehr gegen das Spendermaterial geringer ist und nur selten Kontraindikationen seitens des Spenders vorliegen. Die Nachbehandlung im Anschluss an die Operation fällt ferner wenig belastend für den Patienten aus.

Aufgrund der Operationsrisiken ist es dennoch wichtig, den Patienten vor der Operation am Auge hinreichend über mögliche Chancen und Komplikationen aufzuklären und dabei auch mögliche alternative Behandlungswege aufzuzeigen.

Medizinischer Berater: Professor Siegfried Priglinger