Pterygium conjunctivae


Die Augenerkrankung Pterygium conjunctivae ist den meisten Menschen unbekannt, ebenso die deutsche Bezeichnung „Flügelfell am Auge„. Dabei handelt es sich keineswegs um eine extrem seltene Erkrankung, mit der kaum jemand rechnen muss. Im Prinzip kann Pterygium conjunctivae jeden treffen. Wer über das Augenleiden und seine Entstehung informiert ist, kann aber wirksam vorbeugen.

Was für eine Erkrankung ist Pterygium conjunctivae?

Pterygium conjunctivae beziehungsweise Flügelfell am Auge bezeichnet in der Augenmedizin eine Gewebewucherung der Bindehaut. Die Wucherung verfügt durch eigene Gefäße über eine eigene Blutversorgung.

Im fortgeschrittenen Stadium kann die Wucherung auf die Augenhornhaut übergehen. Pterygium conjunctivae tritt überwiegend auf der zur Nase gelegenen Augenseite auf, von wo es Richtung Hornhautmitte wächst. Seine dreieckige Form ähnelt einer flügelähnlichen Falte und scheint leicht durch. Es sind etwas mehr Männer als Frauen betroffen. Die Augenerkrankung ist im Allgemeinen gutartig und behandelbar.

Flügelfell am Auge
Flügelfellerkrankung an einem Auge

Welche Symptome deuten auf ein Pterygium conjunctivae hin?

Das Pterygium conjunctivae verursacht Beschwerden wie ein Fremdkörpergefühl im Auge, Rötungen oder Juckreiz. Gelegentlich treten auch gar keine Symptome auf.

Hat sich das Pterygium conjunctivae auf die Hornhaut ausgedehnt, kommt es zum Nachlassen der Sehkraft beziehungsweise Sehschärfe. Verziehungen der Hornhaut können eine Hornhautverkrümmung auslösen, den Astigmatismus. Als Folge hiervon wird das Sehen unscharf und verzerrt. Eine Brillenkorrektur ist zwar möglich, doch müssen die Gläser ständig an den fortschreitenden Prozess angepasst werden, solange die Erkrankung nicht behandelt wird. Außerdem kann Pterygium conjunctivae die Beweglichkeit des Augapfels beeinträchtigen, woraufhin beim Sehen Doppelbilder auftreten können.

Was sind die Ursachen für ein Pterygium conjunctivae?

Ein Pterygium conjunctivae tritt selten spontan auf, sondern infolge von Augenschädigungen. Neben Augenverletzungen mit anschließender Narbenbildung sind als Auslöser Augeninfektionen – zum Beispiel mit Herpes simplex – möglich, sowie der Zustand nach anderen Hautveränderungen.

Als Hauptursache gilt allerdings eine zu intensive Sonneneinwirkung auf das Auge. Es hat sich gezeigt, dass bis zu 90 % der professionellen Surfer später ein Pterygium conjunctivae entwickeln. Bei ihnen sind die Augen besonders stark und obendrein schutzlos der UV-Strahlung ausgesetzt. Es ist bereits von einem sogenannten „Surfer-Auge“ die Rede. Außerdem deutet ein verstärktes Auftreten des Flügelfells am Auge bei der australischen Bevölkerung auf einen Zusammenhang mit starker Sonneneinstrahlung hin. Durch die Nähe des Ozonlochs lassen sich in Australien verstärkte gesundheitsschädliche Effekte am Auge durch Sonnenlicht nachweisen.

Außer Wassersport wie Surfen begünstigt der Aufenthalt im Freien generell das Auftreten von einem Flügelfell am Auge. So tritt das Phänomen in südlichen Regionen erheblich häufiger auf als in den nördlichen. Vermutet wird, dass eine starke UV-Einwirkung die Zellen des Bindegewebes zum Wuchern aktiviert.

Für das Auftreten des Flügelfells am Auge ausgerechnet auf der der Nase zugewandten Seite des Auges gibt es einen einleuchtenden Grund: Die UV-Strahlen treffen hauptsächlich von der Außenseite des Auges ein, wo sie von der gewölbten Hornhaut wie durch ein Brennglas gebündelt werden und so auf der gegenüberliegenden Seite des Auges das Bindehautgewebe schädigen.

Diagnose: Pterygium conjunctivae

Meistens genügt dem Augenarzt schon ein Blick auf den typischen Zustand des Auges, um die Diagnose „Pterygium conjunctivae“ zu stellen. In seiner weiteren Untersuchung sichert er seinen Befund ab, indem er die Ausdehnung der membranartigen Wucherung prüft. Hieran schließt sich ein Sehtest an.

Therapie eines Pterygium conjunctivae

Die Therapie von einem Pterygium conjunctivae richtet sich nach dem Zustand der Erkrankung. Bei Symptomlosigkeit und erhaltener Sehkraft kann es genügen, zunächst noch abzuwarten und nur die Dehnung zu kontrollieren. Bei leichteren Beschwerden bietet sich eine Behandlung mit Augentropfen an, bei Bedarf auch entzündungshemmende Medikamente.

Stellt sich keine Besserung ein oder wird das Sehvermögen beeinträchtigt, ist eine Operation anzuraten. Sie erfolgt meistens ambulant. Komplikationen sind selten. Eine Indikation zur OP ist zudem die ästhetische Beeinträchtigung.

Dem Augenarzt stehen mehrere Operationsmethoden zur Verfügung. Er wird bestrebt sein, das Risiko für ein erneutes Auftreten – Rezidiv – möglichst gering zu halten. Das nachoperative Rezidiv des Flügelfells am Auge ist nämlich seltener durch UV-Strahlung bedingt, sondern ergibt sich als Reaktion auf den operativen Eingriff.

Im Anschluss an die Augenoperation muss der Patient für einen guten Heilungsverlauf noch eine Zeit lang Augentropfen mit Cortison verwenden.

Risiken durch ein Pterygium conjunctivae

Ein Pterygium conjunctivae kann mit gravierenden weiteren Augenerkrankungen einhergehen, insbesondere Grauem Star, auch als Katarakt bekannt, sowie einer Makuladegeneration und Hautkrebs des Augenlides. Als ursächlich für diese scheinbaren Folgeerkrankungen wird nicht das Pterygium conjunctivae an sich angesehen, sondern ebenfalls die zu starke Sonnenlichteinwirkung.

Ist Vorbeugung gegen das Pterygium conjunctivae möglich?

Aufgrund des Hauptrisikos durch erhöhte Sonneneinstrahlung ist bereits das Meiden von UV-Strahlung eine gute Art der Vorbeugung. Dazu müssen Sie nicht auf den Aufenthalt im Freien verzichten, bringt dieser doch für sich gesehen viele gesundheitliche Vorteile. Aufenthalt im Schatten und insbesondere das Tragen einer Sonnenbrille mit UV-Schutz sind ideale Vorbeugungsmaßnahmen gegen Pterygium conjunctivae. Dafür sollten Sie eine Sonnenbrille mit Schutz vor seitlicher Sonneneinstrahlung durch breite Seitenbügel wählen, denn gerade die seitliche Einstrahlung ins Auge fördert die Entwicklung vom Pterygium conjunctivae. Bei trockenen Augen sind außerdem Tränenersatzmittel eine empfehlenswerte Vorbeugungsmaßnahme.