Forschung: Patienten mit einer Makuladegeneration können hoffen

Mit dem medizinischen Fortschritt steigt auch die durchschnittliche Lebenserwartung. Wir werden immer älter – und mit uns unsere Augen. Sie müssen wesentlich länger ihren Dienst verrichten als von der Natur vorgesehen. Nur konsequent, dass Augenerkrankungen wie die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zunehmen – die gefürchtete Netzhauterkrankung betrifft hauptsächlich Menschen über 65.

In der Regel führt eine trockene Makuladegeneration früher oder später zur vollständigen Erblindung. Jetzt könnte die schwere Augenerkrankung etwas von ihrem Schrecken verlieren. Denn amerikanische Forscher sagen der Makuladegeneration mit einer neuartigen Stammzellentherapie den Kampf an.

Altersbedingte Ablagerungen schuld an der Zerstörung der Netzhaut

Mit zunehmendem Alter lagern sich im Bereich des schärfsten Sehens (Makula) vermehrt Stoffwechselprodukte unter der Netzhaut ab. Sie zerstören nach und nach die Pigmentzellen, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen. In der Konsequenz sterben die Sinneszellen der Netzhaut ab – es kommt zum vollständigen Sehverlust. Genau das will ein Forscherteam am US-National Eye Institute in Maryland künftig verhindern.

Die Netzhaut mit der Makula
Die Netzhaut mit der Makula © Dario Lo Presti

Erste Versuchsreihen an Tieren vielversprechend

Die amerikanischen Wissenschaftler haben eine Stammzellentherapie entwickelt, die die trockene Form der AMD erfolgreich behandeln könnte. Klinische Studien stehen allerdings noch aus. Vorerst wurde die Therapie mit Transplantaten aus retinalen Pigmentzellen erfolgreich an Nagern und Schweinen getestet (lesen Sie mehr in der Original-Veröffentlichung).

Das Ärzteteam verwendete eine spezielle Form von Stammzellen, die im Labor aus ganz normalen Körperzellen des Patienten hergestellt wurden. Diese wandelten sie in retinale Pigmentepithelien um, die wiederum auf einer Trägersubstanz zu flächigen Zellschichten verarbeitet wurden. Nun setzten die Forscher die gezüchtete Zellschicht zwischen Netzhaut und zerstörtem Pigmentepithel ein.

Tatsächlich nahmen die eingebrachten Stammzellen nach kurzer Zeit ihre Arbeit auf. Sie produzierten bestimmte Enzyme, die das Sehpigment wieder aufbauten und unterzogen die Fotozellen einer Generalüberholung. Sie reinigten die Netzhaut von Ablagerungen und entsorgten funktionsunfähige Zellen. Offensichtlich hatten die Stammzellen einen Reparaturmechanismus ausgelöst – die Netzhaut erholte sich.

Klinische Studien stehen noch aus

Bis das Verfahren tatsächlich Anwendung findet, kann es allerdings noch einige Zeit dauern. Eine klinische Studie an Patienten mit trockener Makuladegeneration steht jedoch unmittelbar bevor. Dann wird sich herausstellen, ob die bei Nagern und Schweinen erzielten hoffnungsvollen Ergebnisse auch eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind.

Statistiken sprechen eine deutliche Sprache

Laut einer Statistik des Berufsverbands der Augenärzte erblinden jedes Jahr 5.000 Menschen aufgrund einer Altersbedingten Makuladegeneration. Und das Problem wird sich verschärfen – denn die Lebenserwartung steigt weiterhin kontinuierlich an. Und mit jedem hinzugewonnenen Lebensjahr wächst auch das Risiko, sich alterstypische Erkrankungen zuzuziehen. Schon jetzt ist bei den über 80-Jährigen fast ein Drittel von einer Makuladegeneration betroffen. Fachleute prophezeien, dass die Anzahl der Erkrankten weltweit von derzeit 25 Millionen bis 2050 auf dramatische 70 Millionen ansteigen könnte.

Gesunde Lebensweise kann Makuladegeneration vorbeugen

Zwar gibt es bisher keinerlei Behandlungsmöglichkeiten für eine Makuladegeneration – doch scheinen eine gesunde Lebensweise und Ernährung der Augenerkrankung vorzubeugen. Vor allem Lebensmittel, die reich an Antioxidantien und Vitaminen sind, stehen im Ruf, das Auge zu schützen.

Die Sehkraft gehört zum Wertvollsten, was wir haben. Älter werden wollen wir alle. Doch Lebensjahre hinzuzugewinnen ist nur dann sinnvoll, wenn wir bis ins hohe Alter Lebensqualität besitzen – und dafür ist der Erhalt der Sehkraft unabdingbar. Nun ist es Aufgabe der medizinischen Forschung, Wege zu finden, unsere Augen fit für mehr Lebensjahre zu machen. Die Wissenschaftler haben mit ihrer Versuchsreihe zur Makuladegeneration einen wichtigen Meilenstein dafür gesetzt. Das lässt hoffen!


von Die Redaktion. 22.01.2019